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Talk: Gerard

8. November 2015

Wie fängt man eigentlich einen Beitrag über einen Musiker an, den man sehr gerne mag? Vielleicht so: Ich finde, Musik in der eigenen Muttersprache ist immer etwas Besonderes. Und ich gebe zu, deutsche und italienische Musik hat es bei mir nicht immer einfach, vielleicht gerade deshalb, weil man die Sprache kennt und anders fühlt als eine Fremdsprache. Ich lege grossen Wert auf Texte und wer es schafft, gute deutsche Texte mit guten Beats zu mixen, der wird in mir vermutlich einen Zuhörer finden.

Gerard entdeckte ich Ende 2013 dank einer Freundin aus Deutschland, die in ihrem Whatsapp-Status (ja, ich lese das!) einen Youtube-Link zu einem Song von ihm hatte. Ich fand seine Musik interessant und „Alles Jetzt“ – ein Track, der erst gerade erschienen war – traf sofort einen Nerv bei mir. Kurz darauf veröffentlichte Gerard das Album „Blausicht“ und was soll ich sagen? Für mich war es eine Offenbarung. Weil die Texte die Gedanken und Zweifel der sogenannten Generation Y gut einfangen und ich mich angesprochen gefühlt habe.

Route verloren aber immerhin an Land gewonnen
Statt den Kopf in den Sand
Den Kopf durch die Wand bekommen
Ich will die Welt verstehen
Will keinen festen Plan
Sondern die Auswahl
Mir mein Leben ausmalen

– Alles Jetzt, Blausicht

Gerard ist Österreicher und machte schon sehr früh Musik. Jetzt ist er 28 und hat sich musikalisch permanent weiter entwickelt.

Was mir an Gerards Musik besonders gefällt: Ja, es ist Rap bzw. Hiphop aber weil die Texte lyrisch sind, kommt mir die Musik nicht so „aggressiv“ vor, was mir bei Hiphop manchmal etwas missfällt. Das heisst nicht, dass Gerard keine Uptempo-Nummern hat, im Gegenteil! Zu seiner Musik lässt sich sehr gut tanzen und die Beats können ganz schön durch Mark und Bein gehen.

Ich war am 1. November an Gerards Konzert in Zürich, das im Rahmen seines neuen Albums „Neue Welt“ statt fand. Es war das zweite Konzert, das ich von ihm besuchte. Im Februar 2014 war ich an der Blausicht-Tour in Zürich dabei und weil es mir so gut gefallen hatte, war klar, dass ich dieses Mal auch wieder gehen würde.

gerard zünd den regen an

Das Konzert fand im Papiersaal in Zürich statt. Das Venue ist per se schon sehr klein und einerseits fand ich es etwas schade, dass der Saal nicht voll war, andererseits hat das der Stimmung meiner Meinung nach keinen Abbruch getan und ich stand sehr weit vorne, was ebenfalls schön war. Gerard schafft es bei seinen Konzerten immer, das Publikum mitzureissen. Er ist in meinen Augen ein sehr bodenständiger Mensch, der sich ehrlich über jeden Konzertbesucher freut und nach den Konzerten nimmt er sich immer noch Zeit für seine Fans, macht Fotos mit ihnen und unterschreibt Plakate und CDs. Auch seine Band ist sehr sympathisch, wie man in seinen Tour-Vlogs sehen kann.

Das Album „Neue Welt“ ist bei mir sehr gut angekommen. In meiner Sammlung befinden sich nun seine letzten drei Alben (also Blur, Blausicht und Neue Welt) und es ist sehr spannend zu sehen bzw. zu hören, wie sich seine Musik verändert hat. Als Blur erschien, war Gerard 22 Jahre alt, bei Blausicht 26. Ich selber bin zwar noch nicht 26 aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass diese paar Jahre zwischen 20 und 30 vermutlich diejenigen sind, in denen man sich am meisten entwickeln wird. Die Themen sind bei beiden Alben ähnlich aber Blausicht klingt so viel erwachsener und abgeklärter. Das Album „Neue Welt“ ist deshalb für mich die logische Konsequenz.

Wer immer auf den richtigen Moment wartet, hat ihn verpasst
Haben nicht mehr als diese kleine unendliche Jetzt
Es hat sich alles gelohnt, jetzt ist alles groß
Alles so wie ich mir denk, endlich perfekt
Ich hab hier alles, was mir lieb ist
Das Abendrot färbt die Wellen violett
Ich bleib einfach ich selbst, der Rest ergibt sich

– Hymnen, Neue Welt

Neue Welt klingt sicherer, standhafter. Nicht von den Beats her (denn die waren bei Blausicht schon sehr gut), sondern von den Texten. Und obwohl ich glaube, dass da immer Luft nach oben sein wird, so ist Neue Welt irgendwo ein Ankommen in einer Gegenwart. Und das gefällt mir sehr.

Das war jetzt vermutlich eine sehr grosse Liebeserklärung aber hey, ich hoffe, Gerard hört nie auf Musik zu machen. Zudem würde es mich freuen, wenn ihr mal in seine Tracks reinhört. Und ich bin keine Musik-Kritikerin, nur jemand, der gerne Musik hört.

Weiterführende Links:

– Beitragsbild: Stefan Kunz (Hintergrund)

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2 Comments

  • Reply Kiss & Make-up 9. November 2015 at 14:11

    You’re clearly a fan! Would be awesome if he read this little hommage, hehe.
    Kiss & Make-up veröffentlichte kürzlich: Make-up look | Going smokey all the way with Urban DecayMy Profile

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