Persönlich Talk

Talk: Einer dieser Tage

29. März 2016

Anmerkung: Diesen Text habe ich noch vor Ostern geschrieben. Dann kam der Sonntag und mit ihm die Neuigkeiten über Rechtsextreme in Brüssel und Anschläge in Lahore. Auch darüber mache ich mir Gedanken.

Es war einer dieser Tage. Einer dieser Tage, weil es nicht das erste Mal war und das letzte Mal leider nicht all zu weit weg gewesen ist. Ich hatte es dieses Mal am Radio gehört. Brüssel. Danach bin ich auf Twitter gegangen. Mein Herz rast. Ich habe einen Kloss im Hals. Nicht schon wieder. Bitte nicht.

Das Letzte, was ich in so einem Moment will, ist etwas sagen. Ich denke dann immer, dass keine Worte der Welt dem gerecht werden können, was passiert ist. Nichts was ich sage, wird irgendwas besser machen. Und dann denke ich: Wenn ich schweige, habe ich das Gefühl, ich würde akzeptieren, was passiert ist. Und das tue ich nicht. Das will ich nicht.

Es ist wieder passiert. Und ich nehme zur Kenntnis, dass alles schon etwas routinierter ist: Die Berichterstattung, der „Morgen danach“, die Solidaritätsbekundungen, die Analyseberichte. Routinierter Ausnahmezustand – als ob es sowas gibt. Ich nehme zur Kenntnis, dass ich weniger dreifarbige Profilbilder sehe. Es ändert nichts, die Hauptsache ist, dass ich weiss, was es mit mir macht. Und daran ist nichts Routine. Die Gefühle schwappen über, der Tag wirkt wie gedämpft, der Schmerz sitzt tief. Viele Worte an den Herren da oben, möge die Liebe siegen und nicht der Hass. Mögen die Leute verstehen, dass Europa es spätestens dann verpasst hat, als Kollektiv zu handeln, als Grenzen geschlossen wurden. Ein Teil von dem, was die bösen Menschen wollen, ist doch schon eingetroffen. Trotzdem hoffen, niemals die Hoffnung aufgeben. Denn es macht mir etwas aus, wenn unschuldige Menschen sterben, egal wo auf der Welt. Es macht mir etwas aus, dass analysiert wird, wessen Schuld das alles ist, wenn die unbequeme Wahrheit vielleicht ist, dass wir alle irgendwie Schuld sind. Worte ändern daran auch nichts.

Routinierter Ausnahmezustand – als ob es sowas gibt.

Und auch wenn es manchmal zu viele Berichterstattungen, Tweets und Facebook-Status zu diesem Thema sind: Wir sollten nicht aufhören, darüber zu reden. Wir sollten versuchen zu verstehen, wieso das alles passiert und was wir dagegen tun können. Und wir sollten dafür kämpfen, dass nicht die Angst und der Hass gewinnt. Sondern die Liebe und der Respekt vor dem Nächsten.

Ich empfehle euch an dieser Stelle Kathis Beitrag zu den Geschehnissen, der mir sehr aus der Seele gesprochen hat.

– Beitragsbild: pixabay.com

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