Talk

Talk: Weltgeschehen

19. Juni 2016

Letzte Woche fielen beide meiner Blogeinträge auf Tage, die von schlimmen Ereignissen geprägt waren. Es waren dies einerseits das Shooting in Orlando und andererseits die Ermordung von Jo Cox. Mir war das durchaus bewusst und ich schreibe diesen Beitrag nicht, um mich dafür zu rechtfertigen oder gar zu entschuldigen. Es ist nur so, dass diese Geschehnisse mich beschäftigen und in letzter Zeit ist es doch so, dass es sich anfühlt, als ob es immer schlimmer wird.

Neben diesen Ereignissen, die die westliche Welt erschüttern, sterben jeden Tag viele Menschen, die vor Terror, Armut und Verfolgung fliehen. Es ist eine Tatsache, die mir ständig unterbewusst präsent ist.

Dieser Blog ist seit Anfang an ein Ort, an dem es um sehr oberflächliche Dinge geht. Kosmetik, Pflegeprodukte, schöne Sachen. Und das wird auch so bleiben, weil es zum Einen mein Hobby ist und zum Anderen das Schreiben über solch „banale“ Dinge auch ein wenig davon ablenkt, was sonst alles auf dieser Welt passiert. Ich habe „banal“ bewusst in Anführungszeichen gesetzt, denn unsere heutige Welt ist zu komplex und vielschichtig, als dass ein einfacher Beitrag über einen Lippenstift auch nur ansatzweise widerspiegeln würde, was alles dahinter steckt. Denn auch hier könnte man sich beginnen zu fragen, ob die Produkte ethisch hergestellt wurden, ob uns all die Chemie überhaupt gut tut, und, und, und.

Wie ich das meine? Nun, gerade wenn ich mir Kommentarspalten oder Diskussionen über Sachen wie die Flüchtlingsthematik oder auch die Waffengesetze in den USA durchlese, verschlägt es mir oft die Sprache. Ich finde es unfassbar, dass gewisse Leute sich bei so komplexen Themen auf einen Diskussionspunkt versteifen können und dabei einfach ausser Acht lassen, dass es noch tausend andere Dinge gibt, die man miteinbeziehen und beachten muss.

Es ist schon erstaunlich, wie heutzutage mit Breaking News umgegangen wird, wie schnell „Experten“ zu Wort kommen und wie abhängig wir von diesen Einschätzungen geworden sind.

Wir haben dieses Semester in der Uni sehr oft über Niklas Luhmanns Systemtheorie gesprochen. Die Theorie ist unglaublich umfassend und hat den Anspruch, universal gültig zu sein aber ganz stark runtergebrochen sagt Luhmann: Es gibt verschiedene Arten von Systemen und unsere Gesellschaft besteht aus sozialen Systemen. Eine Person kann natürlich in verschiedenen Systemen tätig sein. Ein System kann die Familie sein aber auch die Politik ist ihr eigenes System, der Arbeitsplatz, die Universität, ein Krankenhaus, etc. Und jedes dieser Systeme besteht in sich selbst nochmals aus weiteren Subsystemen. Was Luhmann auch sagt, ist dass sich diese Systeme nur durch Kommunikation produzieren, reproduzieren und erhalten. Ich glaube, es ist alles so viel komplizierter geworden, weil dank der Medialisierung plötzlich so viel mehr kommuniziert wird oder es zumindest so scheint. Medialisierung bedeutet nichts anderes, als dass sich gesellschaftliche Veränderungen dadurch erklären lassen, dass sich die Kommunikation immer mehr an den Logiken und Regeln des Mediensystems orientiert. Ich interessiere mich sehr für Journalismus und habe in der Universität einiges an Theorie dazu gelernt und selber ein halbes Jahr als Journalistin gearbeitet. Es ist schon erstaunlich, wie heutzutage mit Breaking News umgegangen wird, wie schnell „Experten“ zu Wort kommen und wie abhängig wir von diesen Einschätzungen geworden sind. Ich habe ja bereits in meinem Beitrag „Fünf Tage ohne Social Media“ darüber geschrieben, dass ich es etwas müde bin, all diese Neuigkeiten, die keine sind, auch wenn man Social Media und Journalismus immer noch bis zu einem bestimmten Grad voneinander trennen muss.

Was ich einfach sagen will: Ich wünschte, die Menschen würden weniger reden und mehr nachdenken. Mir verschlägt es regelmässig die Sprache, wenn schlimme Dinge passieren oder wenn ich wieder lese, dass Tausende im Mittelmeer ertrunken sind. Ich schreibe und twittere nicht über solche Dinge, weil mein Kopf zu voll ist, als dass ich die vielen Gedanken in 140 Zeichen oder in einen geordneten Text packen könnte. Ich erkenne die Komplexität des Weltgeschehens an und versuche mir damit zu helfen, dass ich mich informiere. Ich recherchiere, ich lese, ich versuche, mir Wissen anzueignen. Ich glaube Wissen ist die einzige Waffe, die wir haben, um mit all diesen Dingen umgehen zu können und um Lösungen zu finden. Gestern war ich zum Beispiel an einem vom SAH Zentralschweiz organisierten Vortrag in Luzern, wo der Nahost-Experte und Journalist Ulrich Tilgner über die Situation im Irak, in Afghanistan und Pakistan aber auch Afrika gesprochen hat. Er weiss unglaublich viel und er sagte sehr deutlich, dass all diese Probleme im nahen Osten und Afrika auch das Resultat von Versäumnissen der europäischen und amerikanischen Politik sind. An der anschliessenden Podiumsdiskussion haben Politikerinnen aus Zug und Luzern, eine Hoteldirektorin und die Vizedirektorin des Staatssekretariats für Migration darüber gesprochen, was das alles für die Schweiz bedeutet. Ich bin überzeugt, dass wir alle einen Teil dazu beigetragen haben, dass die Welt so ist, wie sie ist. Und es ist ein Armutszeugnis, wie wir mit der Situation umgehen.

Ich glaube Wissen ist die einzige Waffe, die wir haben, um mit all diesen Dingen umgehen zu können und um Lösungen zu finden.

Gerade weil die Welt so komplex ist, verstehe ich den Drang zum Minimalismus sehr gut. Es ist ein neuer Trend, Youtube ist voll von Personen, die uns zeigen, mit wie wenig sie leben. Ich verstehe das so gut. Am Ende des Tages, wenn ich mal wieder so viel Ignoranz und Fremdenhass im Internet gesehen habe, möchte ich am liebsten mein Zimmer misten und einfach alles wegwerfen. Ich brauche nicht wirklich etwas, nur etwas mehr Frieden und Respekt.

Und obwohl es auf diesem Blog weiterhin um die scheinbar banalen Dinge gehen wird: Es ist mir wichtig zu sagen, dass ich sehe, was in der Welt passiert. Und ich bin nicht bereit, das alles zu akzeptieren. Es sind die kleinen Dinge, wie das Unterschreiben der UNHCR-Petition #WithRefugees. Ich plane, noch ein wenig Zeit auf dieser Erde zu verbringen und ich wünsche mir, dass sie ein besserer Ort wird.

Am Ende des Tages geht es wirklich nicht darum, wer Recht hat. Ich glaube, es gibt kein richtig oder falsch mehr in einer Welt, wo kein Stein auf dem anderen bleibt.

Ich habe in diesem Eintrag bewusst darauf verzichtet, näher auf bestimmte Ereignisse einzugehen oder meine Meinung dazu zu äussern. Es waren einfach ein paar allgemeine Gedanken, die mal raus mussten. Hinterlasst mir doch gerne einen Kommentar und sagt mir, wie es euch geht oder erzählt mir sonst irgendwas, wenn ihr mögt! :)

– Beitragsbild: Unsplash.com

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1 Comment

  • Reply Melanie 22. Juni 2016 at 21:50

    Schöner text und wahre Worte. Ja, wie recht du hast!

    Ich verlose gerade ein tolles Sommerkleid! Versuch gern auch dein Glück.
    http://www.melanie-delavie.de/so-rockt-der-sommer/

    Liebe Grüße

    Melli <3

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