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Gelesen: Noch so eine Tatsache über die Welt

26. Mai 2016

„Millie Bird ist sieben, als sie ihr erstes totes Ding findet.“ Das ist der erste Satz des Klappentextes von „Noch so eine Tatsache über die Welt“ von Brooke Davis. Millie ist ein kleines Mädchen, das sich viele Gedanken über den Tod macht. Spätestens dann, als ihr Vater stirbt, versteht Millie, dass alles vergänglich ist. Deshalb beginnt sie eine Liste mit all den toten Dingen zu führen, die sie findet.

Da Millies Mutter mit dem Tod ihres Mannes nicht klar kommt, lässt sie Millie eines Tages alleine in einem Kaufhaus zurück. Dort trifft Millie, während sie darauf wartet, dass ihre Mutter zurück kommt, auf Karl. Karl ist siebenundachtzig, hat seine Frau verloren und wird von seinem Sohn ins Altersheim gesteckt, aus dem er kurzerhand abhaut. Karl entscheidet sich dazu, Millie bei der Suche nach ihrer Mutter zu helfen. Zu der kurios zusammen gesetzten Gruppe, die auch noch von einer Schaufensterpuppe begleitet wird, gesellt sich noch Agatha dazu. Sie ist Millies Nachbarin, die seit dem Tod ihres Mannes das Haus nicht mehr verlässt und einen sehr genauen Tagesablauf hat und sich nur einmal am Tag gestattet, sich einsam zu fühlen.

Das Trio begibt sich also auf die Suche nach Millies Mutter und erlebt dabei allerhand Sachen. Was mir von Anfang an auffiel ist der etwas spezielle Schreibstil. Dialoge werden nicht klassisch untereinander dargestellt und gerade Agatha „spricht“ oft in Grossbuchstaben. Das Ganze verleiht dem Buch, das eigentlich ein sehr ernstes Themas behandelt, eine gewisse Situationskomik, die sich durch die ganze Geschichte zieht. Agatha und Karl sind beide sehr spezielle Charakter und gerade, weil sie so verschieden sind, wollte ich unbedingt mehr über die Beiden erfahren. Die Kapitel sind immer aus der Sicht einer der drei Protagonisten geschrieben. Die kleine Millie beweist dabei trotz ihres Alters bereits sehr viel Reife, wobei ihre Kindlichkeit nicht verloren geht. Agatha hingegen nimmt eher die Roll einer alten missmutigen Frau ein, die dann aber trotzdem noch lernt, dass man auch aus dem fortschreitenden Alter etwas machen kann. Karls Charakter habe ich eher als traurig empfunden. Oft denkt er an seine verstorbene Frau und was diese ihm wohl noch mitteilen wollte, bevor sie starb.

„Millie sieht sich in der Fensterscheibe gespiegelt. Es kommt ihr seltsam vor, sich selbst finden zu wollen. Will man nicht eher jemand anderen finden? Ist man selbst nicht das Einzige, dessen man sich sicher sein kann?“ (Brooke Davis, Noch so eine Tatsache über die Welt)

Mir hat „Noch so eine Tatsache über die Welt“ sehr gut gefallen. Es hat sich sehr gut lesen lassen und am Ende hatte ich auch ein wenig Pipi in den Augen aber viel mehr habe ich während dem Lesen oft laut gelacht. Die Autorin musste selber bereits die Erfahrung machen, dass der Tod von geliebten Menschen ganz plötzlich kommen kann und indem sie die kleine Millie diese Erfahrungen ebenfalls erleben liess, versuchte sie, das Geschehene zu verarbeiten.

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Gelesen: All die verdammt perfekten Tage

22. Februar 2016

Es gibt eine neue Kategorie auf dem Blog! In der Kategorie „Gelesen“ werde ich künftig über Bücher schreiben, die ich gelesen habe und die mir gefallen haben. Leider lese ich bei Weitem nicht so viel, wie ich gerne hätte aber ganz ehrlich, neben den vielen Texten, die ich für die Uni lese, fehlt mir manchmal einfach die Lust. Aber es waren Semesterferien und so konnte ich mich mal wieder ein paar anderen Sachen widmen.

Ich habe „All die verdammt perfekten Tage“ von Jennifer Niven vor allem gegen Ende regelrecht eingesaugt. In dem Roman geht es um Finch, ein Junge, der von allen nur Freak genannt wird und unter Depressionen leidet. Ebenfalls geht es um Violet, die ihre ältere Schwester bei einem Autounfall verloren hat. Das Schicksal bringt die Beiden zusammen, als sie Beide gleichzeitig auf dem Glockenturm ihrer Schule – sechs Stockwerke über dem Grund – stehen und plötzlich bemerken, dass sie mit ihrer Absicht nicht alleine sind. Abwechselnd wird die Geschichte von den Beiden jeweils aus Violets und Finchs Perspektive erzählt. Doch während Finch Violet hilft, ihr Leben wieder zu geniessen, hat Finch Schwierigkeiten, im Hier und Jetzt zu bleiben.

Jennifer Niven hatte einen Urgrossvater, der sich das Leben nahm. Auch ein Junge, den sie liebte, hat sich umgebracht. Man merkt dem Buch an, dass es versucht, Licht auf die dunklen Seiten zu werfen, die in einem Menschen sein können. Finchs Krankheit wird sehr ehrlich und sehr anschaulich durch ihn selber erklärt und obwohl er sich nicht schubladisieren lassen will, ist von Anfang an klar, dass niemand so etwas alleine durchzustehen haben sollte. Aber auch Violets Trauma, der Verlust ihrer Schwester, wird auf eine Art und Weise erzählt, dass man den Schmerz nachempfinden kann. Begleitet wird die Geschichte von vielen Ausflügen, die die Beiden eigentlich für ein Schulprojekt unternehmen, die aber schon bald zu ihren perfekten Tagen werden.

„Ich betrachte sie genau. Ich kenne das Leben gut genug, um zu wissen, dass man nicht von den Dingen erwarten kann, für immer da zu sein oder stillzustehen, selbst wenn man es sich von Herzen wünscht. Man kann nicht verhindern, dass Menschen sterben. Man kann sie nicht daran hindern, wegzugehen. Man nicht einmal sich selbst daran hindern. Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass niemand ausser mir selbst mich wachhalten kann. Das liegt einzig und allein bei mir. Aber Herrgott, wie sehr ich dieses Mädchen mag.“ (All die verdammt perfekten Tage, Jennifer Niven)

Es ist eine tragische und auch kitschige Liebesgeschichte. Und das ist okay, solange es dadurch wett gemacht wird, dass sich die beschriebenen Gefühle wirklich anfühlen und ich finde, das ist Jennifer Niven gelungen. Sie schafft es, das Glück aber auch die Dunkelheit in Worte zu fassen.

Ich würde dieses Buch allen empfehlen, die auch John Green mögen, da der Stil in die gleiche Richtung geht. Es ist definitiv ein Buch fürs Herz.